Kulturelle Bildung

Foto Michael Farkas

"Kunst und Kultur sind Motoren gesellschaftlicher Entwicklungen – das macht kulturelle Bildung so bedeutsam. Kulturelle Bildung schafft neue Lernkulturen und beeinflusst nachhaltig unser Leben ..." (Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema kulturelle Bildung)

Die Fähigkeit zu spielen ist eine natürliche Anlage des Menschen. Er verliert sie nicht, ist er auch kein Kind mehr. Vielmehr gebraucht er sie unbewusst zur Selbstreflexion, zu dem was wir „Lebenslanges Lernen“ nennen. Das Spiel ermöglicht dem Menschen im Alltag seine Erfahrungen „ganz“ zu machen: mit Kopf, Leib und Gefühl.
Genau dieses Erlebnis bietet das theatrale Handeln in besonderer Form. Die Bühnensituation erfordert das Zusammenwirken von Körper und Geist, Raum und Licht, Musik und Sprache, und bringt dadurch die handelnden Figuren und ihre Beziehungen zum Vorschein.

Kulturelle Bildung bietet auf diese Weise das darstellerische Befragen von Lebenswirklichkeiten an.

Referenzprojekte

Karl Ermert bemerkt

Foto Michael Farkas

"Kulturelle Bildung ist ein lebensbegleitender Lern- und Auseinandersetzungsprozess des Menschen mit sich, seiner Umwelt und der Gesellschaft im Medium von Künsten und Kultur. Nachdenken und Wissen der Menschen über Bedingungen und Sinn ihres Lebens drücken sich - neben der Religion - besonders deutlich, weil sinnfällig, in Künsten und Kultur aus.

Kulturelle Bildung ist deshalb integrales, notwendiges Element von Allgemeinbildung.

Kulturelle Bildung hat insoweit auch die Aufgabe, Menschen in ihrer Persönlichkeitsbildung zu unterstützen, und das heißt auch: sie in ihrem sozialen kommunikativen und kreativen Fähigkeiten zu stärken. Kulturelle Bildung trägt also konstitutiv zu dem bei, was Saul B. Robinsohn, der Urvater der Curriculumtheorie, seinerzeit als oberstes Ziel jeder Bildung formuliert hat: „Ausstattung zum erfolgreichen Verhalten in der Welt“.

In: Ermert, Karl, u.a. (Hrsg.), Kunst-Griffe. Über Möglichkeiten künstlerischer Methoden in Bildungsprozessen, Bundesakademie für kulturelle Bildung, Wolfenbütteler Akademietexte Bd 11, 2003 1

Foto Michael Farkas

von Cornelia Bergler "Talestri"

Mit dem Begriff Kompetenzen ist die Gesamtheit der persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen gemeint, die dazu beitragen, das eigene Verhalten von einer individuellen auf eine gemeinschaftliche Handlungsorientierung hin auszurichten. Soziale und personelle Kompetenzen begünstigen also ein Verhalten, das die individuellen Handlungsziele von Personen mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe verknüpft.

Zuvor müssen jedoch diese individuellen Handlungsziele und die diesen vorausgehenden persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen entwickelt sein, um als Kompetenzen in der sozialen Interaktion zu wirken. Wesentlich ist dabei das Selbstwertgefühl (die Selbsteinschätzung), das als eine grundlegende Voraussetzung zur Verwirklichung der eigenen Entwicklungsmöglichkeiten angesehen werden kann.

Nach Maslow steht das Selbstwertgefühl nach der Befriedigung der Grundbedürfnisse wie etwa Nahrung, Sicherheit und Geborgenheit, an der Schwelle zur Selbstverwirklichung, womit Gerechtigkeit, Ordnung, Individualität, Schönheit u.s.w. gemeint sind.
Zwischen Geborgenheit, also der Zugehörigkeit zu mindestens einer Gruppe und deren Anerkennung und der Herausbildung der Persönlichkeit steht also das, was wir als Selbstwertgefühl bezeichnen.

Maslow betont: Wertschätzung durch andere geht der Selbstachtung voraus!

Kurz gefasst kann man sagen, dass abhängig davon, wie man glaubt, von anderen eingeschätzt zu werden, entweder Selbstachtung oder Minderwertigkeitsgefühle entstehen. Das sich aufbauende Selbstwertgefühl ist das Ergebnis der Summe der Erfahrungen, die eine Person in ihrer Gruppe, in ihrem Umfeld, in ihren Interaktionen gemacht hat. Und zwar im Hinblick auf die Beurteilung durch die anderen und umgekehrt auf Grund der eigenen Einschätzung sowie der Interpretation der Fremdbewertung. Für die Entwicklung des Selbstwertgefühls und personaler und sozialer Kompetenzen sind praktische Tätigkeiten, Selbsterfahrung, Selbstreflexion und das Feedback in der Gruppe wichtige Voraussetzungen.

Kulturelle Bildung bietet solche Erfahrungen an: Junge Menschen sehen sich mit praktischen und aktionsgeladenen Aufgaben und Problemstellungen konfrontiert, die ihr Interesse wecken und zu deren Lösung sie sich aufgerufen fühlen.

Kulturelle Bildung gibt Menschen die Möglichkeit, ein Ergebnis zu erzielen, auf das sie jenseits von Noten, Zeugnissen und sonstigen formalen Bewertungen stolz sein können und das in der Öffentlichkeit in aller Regel große Anerkennung findet, und zwar auch außerhalb der Familie und dem Freundeskreis.

Insgesamt fördert kulturelle Bildung Phantasie, kreatives Denken und ein Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Mit allen Sinnen lernen ist ein grundlegendes Prinzip - eindrücklich und ausdrücklich. Diese Faktoren stellen - auch vor dem Hintergrund moderner Lerntheorien - eine gute Voraussetzung und Grundlage für das Gelingen von Lern- und Bildungsprozessen dar.

„Wir lernen durch Erfahrung und Erleben. Niemand bringt einem anderen etwas bei. Das trifft sowohl für das Kind zu, das vom Strampeln über das Krabbeln zum Gehen kommt, als auch für den Wissenschaftler mit seinen Formeln. Wenn die Umgebung es erlaubt, kann jeder lernen, was er lernen will, und wenn das Individuum es erlaubt, wird es die Umgebung alles lehren, was sie zu lehren hat. „Begabung“ oder „Unbegabtheit“ haben damit wenig zu tun.“ Viola Spolin

Quellen:
Terri Akin, "Selbstvertrauen und soziale Kompetenz", Verlag an der Ruhr, 2000.
Hans-Jörg Bullinger, "Soft Skills überfachliche Qualifikationen für betriebliche Arbeitsprozesse", Bertelsmann Verlag Bielefeld, 2004.
Viola Spolin, "Improvisationstechniken für Pädagogik, Therapie & Theater", Junfermann Verlag Paderborn, 2002


"Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Es ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden."
(Paul Auster)

Foto Michael Farkas


Kunst- und Musikunterricht kennt jeder, aber ist das schon kulturelle Bildung? Zweifelsfrei steht fest: Der Begriff "Kulturelle Bildung" hat Hochkonjunktur – und bedeutet Bildung zur kulturellen Teilhabe. Eine Einführung.

Kulturelle Bildung bedeutet Bildung zur kulturellen Teilhabe. Kulturelle Teilhabe bedeutet Partizipation am künstlerisch kulturellen Geschehen einer Gesellschaft im Besonderen und an ihren Lebens- und Handlungsvollzügen im Allgemeinen. Kulturelle Bildung gehört zu den Voraussetzungen für ein geglücktes Leben in seiner personalen wie in seiner gesellschaftlichen Dimension. Kulturelle Bildung ist konstitutiver Bestandteil von allgemeiner Bildung.

Kultur und Bildung - Begriffliches

Kultur im weiteren Sinne meint die jeweils typischen Erscheinungen in der Gesamtheit der Lebensvollzüge einer Gesellschaft (Nation, Ethnie, Gruppe usw.) von den technischen und künstlerischen Hervorbringungen bis zu den Verhaltensmustern des Zusammenlebens und den Wertvorstellungen und Normen, also auch den philosophischen und religiösen Bezugssystemen einer Gemeinschaft. Das ist ein historischer, soziologischer oder auch ethnografischer Gebrauch des Wortes Kultur.

Mit Kultur im engeren Sinne werden die Künste und ihre Hervorbringungen bezeichnet: Bildende Kunst, Literatur, die darstellenden Künste (von Theater über Tanz bis Film), Musik, die angewandten Künste wie Design und Architektur sowie die vielfältigen Kombinationsformen zwischen ihnen. Sie stellen aus der Kultur im weiteren Sinne die Teilmenge dar, um die es im Folgenden geht.

Bildung meint im Ergebnis einen Zustand, in dem der Mensch selbstverantwortlich fähig ist, sein Leben erfolgreich zu ge­stalten. Das betrifft die personale (Innen-)­Perspektive ebenso wie die gesellschaftliche (Außen-)­Perspektive. Dazu gehören Sachwissen, praktische Handlungskompetenzen, emotionale Kompetenzen und die Fähigkeit der Selbstreflexion, also Orientierungswissen. "Gebildet sein" ist im übrigen keine absolute, sondern eine relativ zu den lebensweltlichen Bezügen des Menschen zu bestimmende Größe. Insoweit der Mensch, seine Lebenslagen und seine Bezugswelten sich im Laufe des Lebens verändern, ist Bildung nie abgeschlossen. Vielmehr sind Bildung und Lernen eine das gesamte Leben begleitende Aufgabe – und Chance.

Politische Einordnung

Kulturelle Bildung (andere Bezeichnungen sind musische bzw. musisch kulturelle oder auch ästhetische bzw. ästhetisch kulturelle Bildung) bezeichnet den Lern- und Auseinandersetzungsprozess des Menschen mit sich, seiner Umwelt und der Gesellschaft im Medium der Künste und ihrer Hervorbringungen. Im Ergebnis bedeutet kulturelle Bildung die Fähigkeit zur erfolgreichen Teilhabe an kulturbezogener Kommunikation mit positiven Folgen für die gesellschaftliche Teilhabe insgesamt.

Kulturelle Bildung ist integrales, notwendiges Element von Allgemeinbildung. Bildung und Kultur sind zwei Seiten einer Sache: Bildung ist die subjektive Seite von Kultur, Kultur die objektive Seite von Bildung (vgl. Fuchs 2005). Zwischen engerem und weiterem Begriff von Kultur und kultureller Bildung sind die Übergänge fließend.

Bildung als Prozess hat, zusammengefasst, drei Funktionen: Vorbereitung auf die Berufstätigkeit, Ermöglichung politischer und gesellschaftlicher Teilhabe sowie Persönlichkeitsbildung. Diese Funktionen sind in ihren Einflusschancen ungleich verteilt. Das Hauptgewicht liegt in der bürgerlichen Wirtschaftsgesellschaft auf der beruflichen, also letztlich ökonomischen Verwertbarkeit von Bildungsinhalten. Bildungsinhalte, die nicht mit dieser ausdrücklichen Zielrichtung vermittelt oder in den dafür explizit vorgesehenen Kontexten erworben werden, haben es schwer, abzulesen z. B. an der Randständigkeit der Schulfächer Kunst, Musik und Darstellendes Spiel.

Dem steht gegenüber eine seit Jahren andauernde Hochkonjunktur der Wertschätzung kultureller Bildung – jedenfalls in offiziellen politischen Deklarationen, so z.B. im Abschlussbericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" des Deutschen Bundestages. Der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien hat 2009 einen hoch dotierten Preis für (innovative) kulturelle Bildung eingerichtet, der jährlich verliehen wird. Kulturelle Bildung ist zum Hoffnungsträger der Bildungsbemühungen geworden.

Kreativität ist höchst gefragte Schlüssel­kompetenz mindestens in qualifizierteren Zusammen­hängen der Arbeitswelt. Zugleich ist sie in Pädagogik und Didaktik von Schule über Berufs­bildung bis Weiterbildung nur schwer zu vermitteln. In den Künsten und bei den Kulturschaffenden, d.h. bei Künstlern und Kulturvermittlern, wird Kreativität aber als selbstverständliche Grundkompetenz vorausgesetzt. Auf die Künste, auf Künstler und Kulturvermittler richtet sich vielfach die Hoffnung auch der Allgemein-, Berufs- und Weiterbildner. Durch den Einsatz künstlerischer Mittel und Methoden erhofft man sich Transfer­leistungen von Kreativität, Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit auch in Bildungs­prozessen für alle möglichen Tätigkeitsbereiche. So wird in der politischen Argumentation kulturelle Bildung oft weniger in ihrer Grundbedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung und die gesellschaftliche Teilhabe des kulturell gebildeten, emanzipierten Individuums gewürdigt, als vielmehr für die angenommenen arbeitsmarktgängigen "Soft skills" und neuerdings auch für Integrationsleistungen in der multi- und interkulturellen Situation in Deutschland, die den politisch Verantwortlichen zu Bewusstsein kommt.

Die ökonomischen Tauglichkeiten ästhetisch kultureller Bildung müssen positiv wahrgenommen werden. Auch künstlerisch kulturelle Bildung produziert Fähigkeiten, die arbeitsmarktrelevant sind. Und natürlich darf mit Selbstbewusstsein auch darauf hingewiesen werden, dass Kultur- und Kreativwirtschaft eine für viele überraschend hohe Wertschöpfung erwirtschaften und dass der Arbeitsmarkt der Kulturberufe im Unterschied zu den meisten anderen Teilarbeitsmärkten in den letzten zehn Jahren eine enorme Expansion erlebte.

"Im Jahr 2008 existierten in der Kultur- und Kreativwirtschaft rund 238.300 Unternehmen und Selbständige. Sie erzielten zusammen ein Umsatzvolumen von insgesamt 132 Milliarden Euro und konnten rund 763.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Voll- oder Teilzeitarbeitsplatz bieten. Zusammen mit den Selbständigen arbeiten in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland rund eine Million Erwerbstätige. Insgesamt konnte die Kultur- und Kreativwirtschaft damit im Jahr 2008 schätzungsweise einen Beitrag in Höhe von rund 63 Milliarden Euro zur Bruttowertschöpfung leisten" (nach Gesamtwirtschaftliche Perspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland (2009), S. 5). Damit liegen Kultur- und Kreativwirtschaft nach der Bruttowertschöpfung hinter der Autoindustrie, aber vor der Chemischen Industrie und der Energiewirtschaft. Eine fast unüberschaubare Zahl von Kulturwirtschaftsberichten auf Länderebene und auch von Kommunen bestätigt die Bedeutung der Kulturwirtschaft immer wieder neu.

Ihr produktiver Kern sind die Künste bzw. die Künstlerinnen und Künstler. Die Künstlerinnen und Künstler liefern mit ihren Inhalten und ihren Fähigkeiten den Rohstoff. Die Künste beziehen freilich ihre Kraft daraus, dass sie – und also die Künstler – sich nach ihrer Eigen-Art entwickeln und ihrem Eigen-Interesse folgen können. Die Autonomie der Kunst besteht nicht darin, Zwecke zu vermeiden, aber darin, die Zwecke frei wählen zu können. Dass diese Freiheit erhalten bleibt, ist eine grundlegende politische Herausforderung. Daher muss kulturelle Bildung auch in ihrem Eigen-Wert angemessen wahrgenommen werden. Dafür steht nicht zuletzt, ob und wie eine Gesellschaft allen ihren Mitgliedern den Zugang zu kultureller Bildung ermöglicht.

Orte und Institutionen kultureller Bildung

Wie alle Bildungsprozesse findet auch kulturelle Bildung formell und informell, in dafür vorgesehenen Institutionen und außerhalb, im öffentlichen Bereich und auf privater Ebene statt. Wie bei allen Bildungsprozessen steht zu vermuten, dass das Individuum sehr viel mehr in informellen als in formellen Prozessen und sehr viel mehr außerhalb als innerhalb der dafür vorgesehenen Institutionen lernt – ohne dass diese dadurch überflüssig würden. Das allgemeinbildende Schulsystem mit seinen Fächern Kunst, Musik und, wo vorhanden, Darstellendes Spiel (Theater), dazu in Deutsch und den Fremdsprachen in ihren literatur- und kulturgeschichtlichen Anteilen ist die Institution, in der grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen künstlerisch kulturelle Bildung erfahren. Zunehmend kommt auch die Bedeutung der Bildungsprozesse im vorschulischen Elementarbereich (Kindergärten und Kindertagesstätten) in den Blick.

Viele außerschulische kulturelle Bildungseinrichtungen wenden sich ebenfalls an Kinder und Jugendliche, so Kunstschulen und Musikschulen, in Teilen auch soziokulturelle Einrichtungen und sonstige Kulturvereine (z.B. Kindermuseen). Inzwischen haben sie auch Erwachsene jeden Alters als Zielgruppen und Kundschaft ihrer Arbeit entdeckt. Für die Volkshochschulen in ihren kulturellen Fachbereichen gilt dies schon seit jeher.

Die professionellen Kultureinrichtungen selbst, wie z. B. Theater, Orchester, Museen, Bibliotheken, Kunstvereine, Kulturzentren, wirken durch ihre Arbeit für ihre Besucher faktisch immer auch kulturell bildend. Sie haben in den letzten Jahren ihren Bildungsauftrag auch als explizite Aufgabe neu entdeckt, nicht zuletzt als Akt des "audience development". Sie wollen und müssen ihr Publikum selbst heranbilden, nachdem deutlich wurde, dass die nachwachsenden Generationen ihren Weg zu ihnen nicht mehr wie früher finden.

Der immense Bereich der Laien- oder Amateurkultur, Vokal- und Instrumentalensembles, Theatergruppen, literarische Schreibgruppen, freiwillig gemeinnützig betriebene Museen, Bibliotheken, Kunstvereine usw. spielt eine starke, oft unterschätzte Rolle in der praktischen kulturellen Bildung für die Aktiven wie für ihr Publikum. Auch die Massenmedien, audiovisuelle Medien und Printmedien (vom Buch bis zur Tageszeitung), wirken mit ihren Inhalten faktisch kulturell prägend, also bildend. Die unendlichen Möglichkeiten des Internets enthalten fast ebenso unendliche Möglichkeiten der kulturellen Bildung – für den, der sie als solche sucht, ebenso wie für den, der sie nur konsumiert.
Viele dieser Orte und Institutionen gehören zum öffentlich geförderten Sektor, andere zum privatwirtschaftlichen Bereich, häufig finden sich Mischformen. Deutschland ist – immer noch – das Land mit der weltweit stärksten künstlerisch-kulturellen Infrastruktur, die – grundsätzlich – auch die beste Infrastruktur kultureller Bildung bietet. Voraussetzung dafür ist eine inzwischen häufiger vorkommende, aber noch lange nicht selbstverständliche Synergiebildung zwischen den formell und informell kulturell bildenden Institutionen, etwa durch Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen kulturellen (Bildungs)Einrichtungen vom Profi- bis zum Amateurbereich.

Die Kulturschaffenden und Institutionen sind in zahlreichen Verbänden organisiert, die ihre Mitglieder in ihren praktischen Bedürfnissen unterstützen, ihre Interessen gegenüber Öffentlichkeit und Politik vertreten und an der verbandsinternen kulturpolitischen, de facto auch bildungspolitischen Willensbildung arbeiten. Die bundesweite Dachorganisation der Bundeskulturverbände ist der Deutsche Kulturrat. Der größte spartenübergreifende Kulturverband ist die Kulturpolitische Gesellschaft. Fast alle Kulturverbände bieten Fortbildungen für ihre Mitglieder an. Darüber hinaus stehen Kulturschaffenden und Kulturvermittlern zahlreiche, meist öffentlich geförderte Fortbildungseinrichtungen zur Verfügung. Am dichtesten sind die Fortbildungsangebote im Musikbereich; fast jedes Bundesland hat mindestens eine Landesmusikakademie. Bundesweit arbeiten hier die Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen und die Musikakademie Rheinsberg.

Einen bundesweiten Auftrag für jeweils mehrere Kultursparten nehmen wahr die Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung sowie die Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel. Sie arbeiten multiplikatorenorientiert für die berufliche Weiterentwicklung ebenso wie für ehrenamtliche Tätigkeiten in Kulturvermittlung, Kulturproduktion und Kulturmanagement auf professionellem Niveau.

Quelle: Vollständig Zitiert aus: Bundeszentrale für politische Bildung, Karl Ermert, Was ist Kulturelle Bildung?, 23.07.2009

Literatur:

Bäßler, Kristin u.a.: Kulturelle Bildung: Aufgaben im Wandel, hrsg. v. Deutschen Kulturrat, Berlin 2009.

Bamford, Anne: The Wow Factor. Global research compendium on the impact of the arts in education, Münster u.a. 2006.

Bilden mit Kunst, hrsg. v. Landesverband der Kunstschulen Niedersachsen e.V., Bielefeld 2004.

Fuchs, Max: Kulturpädagogik und Schule im gesellschaftlichen Wandel, in: Kulturelle Bildung in der Bildungsreformdiskussion (2005), S. 155-276.

Ders.: Kulturelle Bildung. Grundlagen – Praxis – Politik, München 2009.

Gesamtwirtschaftliche Perspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland. Kurzfassung eines Forschungsgutachtens im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Autoren: Michael Söndermann, Büro für Kulturwirtschaftsforschung (KWF); Christoph Backes, Creative Business Consult (CBC); Dr. Olaf Arndt, Daniel Brünink, Prognos AG. Berlin 2009. (= Forschungsbericht Nr. 577).

Kultur in Deutschland. Schlussbericht der Enquete-Kommission. Mit allen Gutachten der Enquete sowie der Bundestagsdebatte vom 13.12.2007 auf DVD. Hrsg. v. Deutschen Bundestag, Regensburg 2008. Auch als Download der Bundestagsdrucksache 16/7000 beim Deutschen Bundestag verfügbar. Siehe: »http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/070/1607000.pdf« (Zugriff: 16.10.09).

Kulturelle Bildung in der Bildungsreformdiskussion. Konzeption Kulturelle Bildung III. Hrsg. v. Deutschen Kulturrat, Berlin 2005.

Kulturvermittlung zwischen kultureller Bildung und Kulturmarketing. Eine Profession mit Zukunft. Hrsg. v. Birgit Mandel, Bielefeld 2005.

Kunst-Griffe. Über Möglichkeiten künstlerischer Methoden in Bildungsprozessen. Hrsg. v. Karl Ermert, Dieter Gnahs, Horst Siebert, Wolfenbüttel 2003. (= Wolfenbütteler Akademie-Texte Bd. 11).

Leitfaden für kulturelle Bildung (Road Map for Arts Education dt.). Hrsg. v. d. Deutschen UNESCO-Kommission, Bonn 2007. (s. auch »http://www.kulturrat.de/detail.php?detail=1138&rubrik=5« (Zugriff: 08.10.09).

Scheytt, Oliver: Kulturstaat Deutschland. Plädoyer für eine aktivierende Kulturpolitik, Bielefeld 2008.


„hier in dem Theater hab´ ich gelernt zu denken ...“

(Projekt-Tagebuch)