Castigata remordent, 2007

  • Rolle: Lady Mary Wortley Montague
  • Regie: Cornelia Bergler
  • Ort: Regionalbibliothek Weiden
  • Autor: Cornelia Berglker
  • Gattung: Homage
  • Uraufführung: 26.10.2007

Handlung

Talestri als Lady Mary Montague

Castigata remordent - getadelt beißen sie zurück
Eine Homage an Lady Mary Wortley Montague 1689 - 1762

Die Kammerzofe Rose kleidet Lady Mary Wortley Montague an. Dabei lässt Lady Mary ihren Gedanken freien Lauf und erzählt von ihrer Eindrücken während ihrer Orientreise vom August 1716 bis Obtober 1718. Lady Marys Bemerkungen sind humorvoll, bissig, bisweilen melancholisch doch immer tolerant und weltoffen ...Der Text ist inspiriert und zitiert aus den Briefen der „echten“ Lady Mary Wortley Montague (1689-1762), eine der schillerndsten Frauen der europäischen Aufklärung. Sie begleitete ihren Gatten, der als Mitglied des englischen Parlaments zum Botschafter nach Konstantinopel berufen wurde, ins Osmanische Reich! Ihre Eindrücke beschreibt sie Freunden und Bekannten in den berühmt gewordenen 52 »Briefen aus dem Orient«, die bereits 1763 als Buch erschienen, und bis heute nichts von ihrer Faszination verloren haben. Schon Voltaire rühmte ihre scharfsinnigen Texte. Denn welches Thema sie auch aufgreift – Poesie und Religion, Ehe und Architektur, Schleier und Orangenbäume – Lady Marys Auge ist offen, ihr Geist wach und scharf ihre Zunge.

Die Dichterin und Orientreisende setzte Zeichen!

Lady Mary Montague

Aus vornehmem Hause stammend, erschloss sie sich früh die väterliche Bibliothek und ließ sich nicht zuletzt dadurch zum Schreiben anregen. 1712 heiratete sie Edward Wortley Montage, gegen die Anordnung ihres Vaters. „Zehn Tage lang war ich im inneren Zwiespalt, ob ich mich nun erhängen oder heiraten sollte.“ Ungewöhnliche Töne für eine weibliche Stimme des 18. Jahrhundert.
Lady Mary galt in der maliziösen Gesellschaft als „das Wunder des Orients“ das „gelehrte Weib“; und die Frau, die London und seine Klubs über alles liebte, zog sich zurück: “ich ziehe die Freiheit den Brillantenketten vor.“ 1742 ließ sie sich in Avignon nieder, vier Jahre später in Brescia und zog 1758 nach Venedig. Erst nach dem Tod ihres Mannes 1761 kehrte Lady Mary in ihre Heimat zurück.
In der Türkei wurde sie Zeugin der Pockenimpfung. Zurück in England warb Lady Mary für die Anwendung, stieß jedoch nur auf Unverständnis und Vorurteile bei der Ärzteschaft. Ihr größter Sieg in dieser Sache war, dass König Georg I. seine Enkel impfen ließ. Von da an setzte sich die Impfung allmählich durch. 1796 entwickelte der Arzt Edward Jenner ein zuverlässiges Verfahren.
Nach ihrer Rückkehr wendete sich Ihr früherer Freund der Dichter Alexander Pope von ihr ab. Vermutlich weil Lady Montague seinen Avancen nicht nachgab. Die Freundschaft zerbrach und es folgte eine bittere Fehde, die fast öffentlich ausgetragen wurde. Doch sie gewann neue Freunde: Samuel Johnson, nach William Shakespeare der meistzitierteste englische Autor, bekannte, die “Turkish Embassy Letters” seien das einzige Buch, das er freiwillig „ganz“ gelesen habe.
Die Szenen waren eingebettet in den orientalischen Tanz von ElhamRaks – elegant und geheimnisvoll, voller Lebensenergie. Lady Mary Wortley Montague, sah diesen Tanz zum erstenmal 1717, während ihres Besuches der Fatima, Gemahlin des stellvertretenden Wesirs zu Adrianopel. Am 18. April schrieb sie an ihre Schwester Gräfin Mar:
„Nichts kann kunstvoller und geeigneter sein gewisse Gedanken zu wecken. So sanfte Töne! So schmachtende Bewegungen! Von Pausen und ersterbenden Blicken begleitet! Halb lassen sie sich zurück sinken und erholen sich dann auf eine so kunstvolle Art wieder, das gewiss die kälteste und strengste Spröde auf Erden es nicht hätte ansehen könnern, ohne an etwas zu denken wovon man eben nicht reden soll...“

Impressionen