Medea, 2008

  • Rolle: Medea
  • Regie: Dr. Reinhart Meyer
  • Ort: Regensburger Studententheater
  • Autor: Euripides
  • Gattung: Tragödie
  • Uraufführung: 431v.Chr.

Handlung

Die Handlung spielt sich am Tage des Kindermords in Korinth vor dem Haus der Medea ab. Iason hat sich von ihr getrennt, um Kreons Tochter zu heiraten. In der Vorszene beklagt Medeas Amme diesen Verrat und das Schicksal ihrer Herrin, die einst um des Verräters willen ihre Heimat verlassen hat und dies nun bedauert. Vom Erzieher der beiden Kinder erfährt die Amme, dass Kreon Medea und die Kinder des Landes verweisen will, Iason also seine Söhne im Stich lässt. Die Amme ahnt bereits, dass die Verstoßene den Kindern etwas antun wird.

In der ersten Hauptszene tritt Medea aus dem Haus, um dem Chor, der aus korinthischen Frauen besteht, ihre Sicht darzulegen. Sie schildert eindringlich das Elend, in das sie geraten ist, und allgemein das traurige Los der Frauen, die der Willkür ihrer Männer hilflos ausgeliefert sind. In ihrem Fall kommt hinzu, dass sie in Korinth Ausländerin ist und keine Blutsverwandten hat, die sie schützen könnten. Kreon tritt auf und verkündet seinen Ausweisungsbeschluss, der sofort zu vollziehen sei, denn er befürchtet, dass sich Medeas Zaubermacht gegen ihn und seine Tochter – sein einziges Kind – richten wird. Vergeblich fleht ihn Medea um Rücknahme des Beschlusses an; sie hasse zwar Iason, doch gegen das Königshaus führe sie nichts im Schilde. Schließlich lässt sich Kreon – gegen sein besseres Wissen, wie er selbst sagt – dazu bewegen, ihr bis zum Ende des Tages Aufschub zu gewähren; doch wenn sie diese Frist überschreite, müsse sie samt den Kindern sterben. Kreon tritt ab. Medea vertraut dem Chor ihre Absicht an, den König, seine Tochter und Iason zu töten. Sie erwägt ihre Rachemöglichkeiten und entscheidet sich für Gift.

Talestri als Medea

In der zweiten Hauptszene kommt es zum Wortwechsel zwischen Iason und Medea. Er beschuldigt sie, durch ihre Flüche und Schmähungen gegen den König ihre Ausweisung selbst provoziert zu haben. Sie hält ihm seine Undankbarkeit vor. Um seinetwillen habe sie sich in ihrer Heimat ebenso wie in Iolkos verhasst gemacht; daher habe sie nun keine Zuflucht mehr, sondern werde mit den Kindern als Bettlerin in der Fremde leben müssen. Dem hält Iason entgegen, sie habe ihm nicht aus freier Entscheidung, sondern unter dem Zwang erotischer Hörigkeit geholfen; daher sei der Erfolg der Argonautenfahrt eigentlich nicht ihr, sondern der Liebesgöttin zu verdanken. Sie selbst habe dabei sehr profitiert, denn durch ihn sei sie aus der Barbarei von Kolchis in das zivilisierte Griechenland gelangt. Seine Heirat mit der korinthischen Königstochter bedeute für ihn als Flüchtling einen sozialen Aufstieg. Nicht aus Liebesleidenschaft habe er sich darauf eingelassen, sondern damit seine Verbindung mit dem Königshaus letztlich seinen und Medeas Kindern zugute komme. Dies habe sie nun aber durch ihr Verhalten vereitelt. Sie stellt ihm den Kontrast zwischen seiner Unehrlichkeit und ihrer ehelichen Treue vor Augen. Er bietet ihr Reisegeld an, was sie verächtlich ablehnt.

In der dritten Hauptszene tritt König Aigeus von Athen auf. Er ist auf der Durchreise in Korinth. Medea erzählt ihm, was ihr widerfahren ist. Darauf sichert er ihr Asyl in Athen zu und bekräftigt dies mit einem Schwur; niemals werde er sie aus seinem Land verjagen. Nun beschließt sie, nicht nur ihre Rivalin zu töten, sondern auch die Kinder, um Iason das größtmögliche Leid zuzufügen. Vergeblich erhebt der Chor Einspruch.

Talestri als Medea und der Chor

In der vierten Hauptszene täuscht Medea Iason den Wunsch nach Versöhnung vor und bittet ihn um Verzeihung. Sie selbst wolle sich dem Verbannungsbefehl fügen, doch solle er sich mit Unterstützung seiner Braut beim König dafür einsetzen, dass die Kinder bleiben dürften. Iason ist hocherfreut und will sich nach Kräften darum bemühen. Darauf lässt sie ein heimlich als Mordinstrument präpariertes prunkvolles Seidenkleid und goldenen Schmuck bringen. Sie beauftragt die Kinder, der Königstochter diese Gaben zu überbringen, angeblich um sie gnädig zu stimmen.

Die fünfte Hauptszene zeigt Medea schwankend, nachdem sie erfahren hat, dass das Verbannungsurteil gegen die Kinder aufgehoben ist. Beim Anblick der Kinder erwägt sie, doch mit ihnen ins Exil zu gehen oder sie in Korinth zurückzulassen. Doch ist es nun zu spät, denn sie hat der Tochter Kreons schon das vergiftete Kleid überreichen lassen, das der Empfängerin den Tod bringen wird, sobald sie es anzieht. Dann werden sich die Angehörigen der Ermordeten an Medeas Kindern rächen. Sie beschließt, die Kinder lieber selbst zu töten als sie in die Hände von Feinden fallen zu lassen. Der Chor weist auf das traurige Schicksal aller Eltern hin, die sich wegen ihrer Kinder grämen und sorgen. Wer sogar den Tod seiner Kinder erleben müsse, dem widerfahre schlimmstes Leid.

Talestri als Medea

Das Unheil vollendet sich in der sechsten Hauptszene. Medea erfährt, dass ihre Rivalin den ihr zugedachten qualvollen Tod erlitten hat. Das giftige Kleid hat die Haut der Prinzessin zerstört und von der zugehörigen goldenen Krone ist ein Feuerstrom ausgegangen, durch den ihr Fleisch geschmolzen ist. Kreon, der seine sterbende Tochter umarmte, ist durch die Berührung ihres Kleides ebenfalls vergiftet worden. Der Diener, der Medea die Einzelheiten ausführlich schildert, schließt seinen Bericht mit den Worten, nun habe sich wieder einmal gezeigt, dass alles Sterbliche nur ein Schatten sei, kein Sterblicher erlange je Glückseligkeit. Medea begibt sich ins Haus und begeht den Mord an ihren Kindern, während der Chor sein Entsetzen ausdrückt.

In der abschließenden Szene ist Iason, der vom Mord im Palast erfahren hat, herbeigeeilt, um seine Kinder vor der Rache der Königssippe zu retten. Von der Chorführerin erfährt er, dass die Knaben nicht mehr am Leben sind. Nun will er die Mörderin mit seinem Schwert töten. Das Tor des Hauses wird geöffnet, Medea steht neben den Leichen der Kinder auf einem von Drachen gezogenen Wagen, den ihr Helios geschickt hat. Durch das Eingreifen des Gottes ist sie dem menschlichen Machtbereich entzogen und vor jeder Rache geschützt. Es kommt zu einem letzten Wortwechsel mit Iason. Er verflucht Medea und wirft ihr nun vor, dass sie einst, um seine Frau zu werden, ihren Vater und ihr Vaterland verraten und ihren Bruder getötet hat. Dies habe sie als Barbarin getan, keine Griechin sei zu so schändlichem Verhalten fähig. Sie weist ihm die Schuld am Tod der Kinder zu, da er die Ehe gebrochen habe, und kündigt ihm einen elenden Tod an. Auf dem Drachenwagen erhebt sie sich in die Luft, um zu Aigeus zu fliegen. Die Kinderleichen nimmt sie mit.

Impressionen von den Proben