Die Fliegen, 1986

  • Rolle: Jupiter
  • Regie: Peter Mielke
  • Ort: Komykon-Theater Düsseldorf
  • Autor: Jean-Paul Sartre
  • Gattung: Drama in drei Akten
  • Uraufführung: 1943

Handlung

Orest kehrt nach fünfzehn Jahren in seine Heimatstadt Argos zurück. Er war nach dem Tod seines Vaters ausgesetzt und von Athenern aufgezogen worden. In Argos trifft er auf seine Schwester Elektra, welche von dem Retter der Stadt träumt. Nach ihren Träumen ist Orest dieser Retter. Orest erschlägt Ägist, der seinen Vater getötet hat, und seine Mutter Klytämnestra. Nicht (wie bei den früheren Dramatikern), um die Ermordung seines Vaters Agamemnon zu rächen, sondern weil es sich in der gegenwärtigen Lage als gut, d.h. zweckmäßig erweist. Insbesondere wohl, um den Leuten von Argos die ihnen zwangsmäßig eingeflößte Angst und Reue zu nehmen (die Fliegen sind die Rache- und Reuegeister, die einst Erinnyen hießen). Göttern sind ängstliche Naturen angenehm und die irdischen Herrscher (hier: Ägist) halten die Menschen durch Angst in Schach, bis sie selbst an die Angst glauben. Orest will nun mit seiner Tat Reue und Schuld überhaupt ausrotten: "Wenn einmal die Freiheit in einer Menschenseele aufgebrochen ist, können die Götter nichts mehr gegen diese Menschen." Orest hofft endlich wieder in seiner Heimatstadt leben zu können. Er wird vom Volk aber nicht anerkannt und verlässt schließlich Argos.

„Mit dem gewagten Résistance-Drama proklamierte Sartre - unbegriffen von der deutschen Zensur - den Widerstand gegen die Besatzungsmacht und das Vichy-Regime. In einem späteren Vorwort betont der Autor, daß er der nach der militärischen Niederlage verbreiteten nationalen »Selbstverleugnung« entgegenwirken und den Franzosen ihre Erniedrigung bewußt machen wollte. Der in Les mouches entwickelte Freiheitsbegriff steht in engem Zusammenhang mit der Existenzphilosophie Sartres, wie sie etwa gleichzeitig in dem philosophischen Hauptwerk L´être et le néant entworfen wird. [Des Königs und Jupiters] […] Macht basiert darauf, daß die Menschen nicht wissen, daß sie eigentlich frei sind.“

Zitiert aus: Richard Mellein: Kindlers neues Literatur-Lexikon, Band 14, Seite 802

Mythologische Bedeutung der Hauptfiguren

Talestri als Jupiter

rechts unten

  • Jupiter: höchste Gottheit der römischen Mythologie.
  • Orest: König von Mykene, Argos und Sparta.
  • Ägist: wird von Orest und Pylades ermordet: Cousin Agamemnons und während dessen Abwesenheit mit der Herrschaft über Mykene betraut; Liebhaber der Klytämnestra während Agamemnons Abwesenheit; ermordet zusammen mit ihr Agamemnon bei dessen Heimkehr; von Agamemnons Sohn Orest erschlagen.
  • Elektra: hilft ihrem Bruder Orest den gemeinsamen Vater zu rächen.
  • Klytämnestra: war die Gemahlin Agamemnons, des Königs von Mykene. Sie war die Schwester der schönen Helena und Mutter von vier Kindern: Orestes, Elektra, Chrysothemis und Iphigenie.
  • Agamemnon: war nach der griechischen Mythologie König von Mykene. Er war der Sohn des Atreus (der Atride) und der Aerope. Nachdem er den ersten Mann von Klytämnestra getötet hatte, nahm er diese zur Frau. Mit ihr war er Vater der Iphigenie, der Elektra, des Orestes und der Chrysothemis. Als Oberbefehlshaber der Griechen führte er die griechischen Fürsten gegen Troja. Nach Sieg und Rückkehr nach Mykene wurde er dort von seiner Frau Klytämnestra und ihrem Geliebten Aigisthos im Bad erdolcht – als Strafe dafür, dass Agamemnon Iphigenie geopfert hatte.
  • Erinnyen: Rachegöttinnen

Bühnenbild